Martin W.Mein Name ist Martin Weiß.
Dies hier ist mein persönlicher Blog, ursprünglich bekannt als "Buch-Ratschlag". Warum sich das ein wenig geändert hat und was es sonst noch über mich und diesen Blog zu wissen gibt, könnt Ihr hier nachlesen.

Rezension: The Long Tail. Nischenprodukte statt Massenmarkt

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The Long Tail. Nischenprodukte statt Massenmarkt.
Die Zeiten, in denen Unternehmen sich auf Hits und Bestseller und damit auf den Massenmarkt konzentrieren konnten, sind vorbei. Wer in Zukunft bestehen will, muss sich mit den vielen Nischen auseinandersetzen – ansonsten tut es jemand anderes!

Titel: The Long Tail – Nischenprodukte statt Massenmarkt. Von Chris Anderson.

Aus dem Inhalt:

Verlage starren wie gebannt auf den nächsten Weltbestseller, Film-Verleiher auf den nächsten Blockbuster, die Musikindustrie auf den Superhit, der alles herausreißt. Sie alle sind schief gewickelt. Die Zukunft liegt ganz woanders. Was geschieht, wenn eine praktisch unbegrenzte Zahl von Produkten und Dienstleistungen für alle verfügbar wird? Wenn der Wert all der Millionen von Nischenprodukten, die nur einen Mausklick entfernt im Internet angeboten werden, weit über dem der klassischen Top-Seller liegt? Dann verändert sich die Wirtschaft von Grund auf.


Meine Meinung zu diesem Buch:
Auch wenn das Buch nicht mehr ganz taufrisch ist – die Ersterscheinung der Originalausgabe war 2006 – haben viele der beschriebenen Mechanismen und Phänomene nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Chris Anderson, Chefredakteur des US-amerikanischen Technologie-Magazins “Wired”, beschreibt die Macht der Nischenmärkte. Was versteht man nun unter dem “Long tail”, dem langen Schwanz?

Es geht darum, dass es auf der einen Seite Bereiche gibt, in denen einige wenige Produkte für einen großen Teil des Umsatzes und/oder Gewinns verantwortlich sind. Beispielhaft genannt seien hier die Musikindustrie und der Buchhandel, wo es in der Vergangenheit vor allem um Hits oder Bestseller ging. Dem steht gegenüber, dass mit einer Vielzahl an Nischenprodukten in der Summe trotzdem viel Gewinn gemacht werden kann – sofern bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sind. Der Name “Long Tail” leitet sich von der Grafik der Verkaufskurve ab, die sich eben wie ein langer Schwanz darstellt (vgl. hierzu auch die Darstellung in Wikipedia)

Was sind nun diese Bedingungen, die für das Zustandekommen eines Long Tails notwendig sind? Chris Anderson nennt in seinem Buch im wesentlichen 3 Element:

  • Die Demokratisierung der Produktionsmittel
  • Die Demokratisierung des Vertriebs
  • Das Vorhandensein von Filtern und Suchfunktionen

Die Mechanismen des Long Tails finden ihre volle Entfaltung vor allem durch die Verbreitung des Internets und die damit verbundenen Möglichkeiten für jeden einzelnen. Der Kapitalbedarf, der notwendig ist, um ein Buch oder ein Musikstück zu produzieren, ist aufgrund der massenhaften Verbreitung des PC’s und der entsprechenden Software heutzutage viel geringer und somit für viel mehr Menschen möglich, als noch vor zwanzig Jahren (= Demokratisierung der Produktionsmittel).

Dadurch, dass heute praktisch jeder mit einem Internetzugang seine Produkte ohne großen Aufwand anbieten und vermarkten kann, wird das zweite Element des Long Tails erfüllt: Die Demokratisierung des Vertriebs. Damit es aber auch möglich wird, in der nun vorhandenen Vielzahl an Produkten das wirklich passende zu finden, sind entsprechende Filtermechanismen und Suchfunktionen notwendig. Dies ist das dritte Element des Long Tails.

Chris Anderson zeigt in seinem Buch etwa am Beispiel des Online-Buchhändlers Amazon, wie die Mechanismen des Long Tails nahezu perfekt umgesetzt sind und damit Nischenmärkte bedient werden können, die vor den Zeiten des Internets absolut unvorstellbar waren. Ähnliche Beispiele finden sich im Bereich der Musikindustrie (Apples iTunes) oder der Film- und Fernsehindustrie, wo die Konkurrenz zunächst durch das Entstehen von Videotheken, später dann durch YouTube und andere internetbasierte Filmportale und Tauschbörsen zu einem ernsten Problem für die etablierten Anbieter wurde.

Es geht also nicht mehr allein darum, den Geschmack der breiten Masse zu bedienen. Vielmehr verlagert sich die Nachfrage auf der Verkaufskurve immer weiter nach rechts in den Bereich des langen Schwanzes. Viele verschiedene Produkte, die für sich genommen nur mit geringen Stückzahlen nachgefragt werden. Die in der Summe aber verglichen mit den wenigen Hits und Bestsellern ein riesiges Potential darstellen.

Das Buch liest sich angenehm und kurzweilig. Anderson versteht es, die Zusammenhänge und Wirkungsmechanismen des Long Tails anhand vieler Beispiele verständlich darzustellen. Auch wenn die meisten der vorgestellten Unternehmen ihren Unternehmensschwerpunkt im Internet haben, so werden auch Beispiele für “konventionelle” Unternehmen aufgeführt, die sich den Long Tail und damit den Nischenmarkt zunutze machen.

Zum Schluß fasst Anderson noch einmal an Hand von 9 Regeln zusammen, was Unternehmen beachten sollten, wenn sie in diesem Bereich der Nischen erfolgreich sein wollen. Ein Liste mit Literaturhinweisen sowie ein Sachwortregister runden das Buch gelungen ab.

Noch eine kleine Anmerkung: Das von mir gelesene Buch war die deutsche Erstausgabe. Mittlerweile ist auch schon eine leicht überarbeitete Neuauflage verfügbar.

Fazit:
Mittlerweile fast schon ein Klassiker. Und trotzdem aktuell und lesenswert.
 
Bewertung:

5 von 5 Lesezeichen

 
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The Long Tail – Der lange Schwanz: Nischenprodukte statt Massenmarkt – Das Geschäft der ZukunftChris Anderson. 287 Seiten. Erschienen im Carl Hanser Verlag

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